Prognosen & Bildsimulation

Bild 1 | Mithilfe simulierter Bilder können KI-Modelle optimal trainiert werden und so helfen, Produktionsparameter zu verbessern.
Bild 1 | Mithilfe simulierter Bilder können KI-Modelle optimal trainiert werden und so helfen, Produktionsparameter zu verbessern.
Bild 1 | Mithilfe simulierter Bilder können KI-Modelle optimal trainiert werden und so helfen, Produktionsparameter zu verbessern.
Bild 1 | Mithilfe simulierter Bilder können KI-Modelle optimal trainiert werden und so helfen, Produktionsparameter zu verbessern.Bild: Fraunhofer – Institut IPA

Aktuell konfigurieren und optimieren meist Fachkräfte Produktionsanlagen. Das Personal stützt sich dabei auf Erfahrungswissen. Dies stellt eine Herausforderung dar, da die Ergebnisse von der individuellen Expertise abhängen und aufgrund komplexer Produktionsprozesse oftmals nicht alle relevanten Zusammenhänge erkannt werden können. Manuelle Anpassungen sind zudem zeitintensiv, wodurch schlecht eingestellte Anlagen oft zu lange ineffizient bleiben. Diese Faktoren führen zu niedriger Produktivität und hohen Produktionskosten. Die KI kann helfen, die einstellbaren Parameter einer Produktionsmaschine automatisch zu optimieren, um eine bestmögliche Bauteilqualität zu erreichen. Weitere Ziele sind ein schneller Produktionsstart, das zeitnahe Erreichen des optimalen Arbeitspunkts sowie das dauerhafte Betreiben der Maschine in einem idealen Zustand, insbesondere bei sich ändernden Produktionsbedingungen. Die Umsetzung erfolgt durch KI-basierte Methoden wie Qualitätsprognose, bildbasierte Qualitätsprüfung und Bildsimulation. Grundsätzlich stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die für die KI-gestützte Parameteroptimierung eingesetzt werden können.

Bild: Fraunhofer – Institut IPA

Verfahren für KI-basierte Parameteroptimierung

  • Analytische Modelle: Analytische Modelle, die auf physikalischen Gesetzen oder phänomenologischen Zusammenhängen basieren, können zur Optimierung von Maschinenparametern eingesetzt werden. Sie sind genau und nachvollziehbar, jedoch zeit- und ressourcenintensiv in der Erstellung und stoßen bei komplexen oder nichtlinearen Prozessen an ihre Grenzen. Zudem ist die Anpassung an neue Maschinen oder Umgebungsbedingungen oft aufwendig.
  • Physics-informed Machine Learning: Wenn ein analytisches Modell nur teilweise die relevanten physikalischen Effekte abbilden kann, ist eine Kombination mit Machine-Learning-Methoden (Physics-Informed Machine Learning, PIML), sinnvoll. PIML integriert physikalisches Wissen in datengetriebene Modelle, wodurch die Vorhersagen robuster und verlässlicher werden. Es verbindet die Genauigkeit analytischer Modelle mit der Flexibilität von Machine Learning, besonders bei schwer modellierbaren Effekten.
  • Datengetriebene Ansätze: Wenn kein analytisches Modell vorliegt, kann die rein datengetriebene Parameteroptimierung durch den Einsatz von neuronalen Netzen und anderen Machine-Learning-Algorithmen erfolgen, die auf historischen Daten basieren. Diese Methode ermöglicht das Erlernen komplexer, nichtlinearer Zusammenhänge zwischen Maschinenparametern und Produktionsergebnissen, ohne ein tiefes Verständnis des Prozesses zu erfordern. Allerdings sind ausreichend Daten notwendig, um zuverlässige Vorhersagen zu treffen. Zudem können datengetriebene Modelle aufgrund ihrer Black-Box-Natur in sicherheitskritischen Anwendungen problematisch sein, wo Transparenz und Nachvollziehbarkeit wichtig sind.
  • Bayes’sche Optimierung: Neben analytischen Verfahren und datenbasierten überwachten Lernmethoden kann auch die Bayes’sche Optimierung genutzt werden, um Maschinen- und Prozessparameter zu optimieren. Diese Methode sucht gezielt nach den optimalen Maschinenparametern und balanciert dabei zwischen lokaler Optimierung und der Exploration neuer Parameterbereiche. Besonders geeignet ist sie für kleine Parameterräume, da sie eine effiziente Suche nach optimalen Parametern ermöglicht, ohne aufwendige ´Design of Experiments´-Ansätze zu benötigen.
Bild: Fraunhofer – Institut IPA

KI-gestützte Prognose und Bildsimulation

In einem Regelkreis zur Parameteroptimierung wird die Bauteilqualität regelmäßig überprüft. Allerdings sind 100%-Prüfungen nur selten möglich, weil sie aufwendig und teuer sind. Stattdessen werden Stichprobenprüfungen durchgeführt, die zu längeren Optimierungszyklen führen. Eine kontinuierliche Anpassung der Produktionsparameter wäre ideal, um diese Zyklen zu verkürzen. Methoden der Qualitätsprognose nutzen dabei neben Qualitätsdaten auch Prozessdaten, die durch Sensoren erfasst werden, um Zusammenhänge zwischen Maschinenparametern und Produktqualität zu identifizieren. Dies wird insbesondere bei Produktionen mit hohen Stückzahlen oder schnellen Messdaten durch maschinelles Lernen unterstützt.

Eine weitere Möglichkeit, um die Qualitätssicherung zu verbessern, ist der Einsatz von Bildverarbeitung, bei dem Kameras mit KI-gestützter Bildauswertung kombiniert werden. Die Herausforderung besteht jedoch darin, dass fehlerhafte Bauteile selten sind. Daher liegen oft nur wenige Bilder solcher Bauteile vor und die manuelle Annotation fehlerhafter Stellen ist zeitaufwendig. Beides erschwert das Erstellen von KI-Modellen und auch die Leistungsfähigkeit der Modelle leidet. Die Bildsimulation (s. Kasten), unterstützt durch generative KI oder 3D-Modellierung, bietet hier eine Lösung, indem fehlerhafte Bauteile virtuell erzeugt und realistische Bilder generiert werden. Dies ermöglicht eine automatische Fehlerannotation und eine effizientere Erstellung von Trainingsdaten für die KI-gestützte Defekterkennung.

Bild: Fraunhofer – Institut IPA

Anwendungsbeispiele

  • Sensorbasierte Qualitätsprognose beim Ultraschall-Bonding: Das Ultraschall-basierte Drahtbonden ist ein automatisierter Prozess zur Herstellung elektrischer Verbindungen, bei dem die Scherfestigkeit der Bonds ein wichtiges Qualitätskriterium darstellt. Eine KI-gestützte Qualitätsprognose ermöglicht, den Prozess kontinuierlich zu überwachen, indem sie Sensordaten erfasst und die Scherfestigkeit vorhersagt. Das KI-Modell hilft, Prozessanomalien frühzeitig zu erkennen, und dient als Grundlage für die datengestützte Optimierung der Produktionsparameter.

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