
Wie kann ein Klein- und mittelständisches Unternehmen (KMU) in der Zulieferkette des Maschinen- und Fahrzeugbaus mit hoher ‚Treffsicherheit‘ ein neues Produkt entwickeln – und dabei am besten noch neue Kunden ansprechen sowie einen neuen Markt erschließen? Diese Frage beschäftigt viele KMUs. Es empfiehlt sich, das Thema mit Sorgfalt und gegebenenfalls auch professioneller Unterstützung anzugehen, denn die Erfolgsquote solcher Projekte liegt durchschnittlich bei nur 15 Prozent.

Bedarf für ein neues Produkt ermitteln
Angesichts dieses Risikos wollten die Verantwortlichen bei DFP Dreh- und Frästechnik im sauerländischen Plettenberg bei der Entwicklung einer Produktidee bis zur Marktreife auf Nummer sicher gehen und das Projekt mit professioneller Hilfe starten. Das 2007 gegründete Unternehmen ist auf die automatisierte Lohnfertigung von Dreh- und Frästeilen spezialisiert und hat sich hier eine gute Position im Wettbewerb erarbeitet. Zudem stand immer wieder einmal die Idee eines eigenen Produktes und damit die Einführung eines neuen Geschäftsmodells im Raum. „Wir hatten auch erste Ideen und haben – gemeinsam mit Partnerunternehmen – die nötige Entwicklungs- und Fertigungskompetenz“, berichtet Geschäftsführer Olaf Pott. „Die entscheidende Frage war nur: Braucht der Markt ein solches Produkt?“
Gesucht: Kompetenzpartner im Innovationsmanagement
Dass DFP auch für die Beantwortung dieser Frage den richtigen Partner fand, ist dem Gespräch auf einer Messe zu verdanken. Dort präsentierte sich das Fraunhofer Institut für Entwurfstechnik Mechatronik (IEM) mit dem Aufgabenbereich ‚Strategische Produkt- und Unternehmensgestaltung‘ (www.iem.fraunhofer.de). „Genau das ist unsere Aufgabe: den Bedarf für ein Produkt ermitteln, das es noch gar nicht gibt“, sagt M.Sc. Khoren Grigoryan, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IEM. „Das gehört heute zum Innovationsmanagement.“ Für solche Projekte entwickelte das Institut einen Leitfaden, der in sechs Schritten den Weg vom Wunsch einer Produktentwicklung über die Validierung bis zur Auswertung der Validierungskampagne beschreibt.
Die Plattform für eine Zusammenarbeit von DFP mit dem Fraunhofer IEM bot das Mittelstand-Digital Zentrums Ruhr OWL. Darüber können KMU Dienstleistungen von fünf Partnern aus den Regionen Ruhr und Ostwestfalen-Lippe kostenlos in Anspruch nehmen. „Wir haben zunächst – noch vor dem eigentlichen Projekt – gemeinsam eine Potentialanalyse durchgeführt, in zwei Gestaltungsworkshops Produktideen gesammelt sowie Trend-, Markt- und Wettbewerbsanalysen durchgeführt“, erläutert Grigoryan. Am Ende erwies sich eine Idee als tragfähig, die DFP bereits ins Projekt mitgebracht hatte: ein Greifersystem zur Automation von Ernteprozessen in der Landwirtschaft.
Produktidee online validiert
Mit diesem Ergebnis bereitete das Fraunhofer IEM den nächsten Schritt vor: die Validierung. Das heißt: Wird ein solches Produkt in der Praxis überhaupt gebraucht? Bei dieser Aufgabe sind digitale Plattformen enorm hilfreich. Das Team gestaltete im Auftrag von DFP eine Landing Page, die das noch nicht existente Produkt als kurzfristig zu realisierende Idee vorstellte. Parallel zu diesem Ablauf wurde auf LinkedIn ein Beitrag geschaltet und beworben, der Interessenten wiederum auf die Landing Page führte.
