Neue Dimension der Ausbildung mit dem Tokn von Heller

Augenscheinlich neu sind bei dem Ausbildungs-CNC Tokn das Design und das abgesetzte, höhenverstellbare Bedienpult.
Augenscheinlich neu sind bei dem Ausbildungs-CNC Tokn das Design und das abgesetzte, höhenverstellbare Bedienpult.

Der Tokn erfüllt auch die Anforderungen an moderne Sicherheitskonzepte. Der Arbeitsraum ist vollständig eingehaust. Die seitlich versenkbare Scheibe erlaubt es, den Arbeitsraum teilweise zu öffnen, etwa für Werkzeugwechsel oder kurze Kontrollen, ohne die komplette Front freizugeben. Für alle Sicherheitsfunktionen sind zweikanalige Sicherheitskreise verbaut. Türkontakte, Notaus-Taster, Achsüberwachung und Spindelstillstand werden redundant ausgewertet. Der elektrische Aufbau erfüllt die Anforderungen der Maschinenrichtlinie und durchläuft bei Heller dieselbe Prüfprozedur wie bei den Großmaschinen.

 Die Technik des Tokn entspricht eins zu eins den klassischen großen Heller-Maschinen - nur alles etwas kleiner dimensioniert.
Die Technik des Tokn entspricht eins zu eins den klassischen großen Heller-Maschinen – nur alles etwas kleiner dimensioniert. Bild: Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH

Pädagogisches Konzept

Die grundlegende Konzeption hat sich beim Wechsel vom Profitrainer zum Tokn nicht verändert: Im Mittelpunkt steht das pädagogische Prinzip ‚Lernen durch Tun‘. Die Maschine wird wie im klassischen Werkzeugmaschinenbau gebaut, vom ersten CAD-Modell bis zur finalen Inbetriebnahme. Beteiligt sind alle technischen Ausbildungsberufe: Produktdesigner, Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker, Mechatroniker und Elektroniker für Automatisierungstechnik. Jeder Azubi übernimmt reale Aufgaben, dokumentiert seine Arbeit und ist Teil eines interdisziplinären Teams. „Die große Stärke vom Tokn ist: Jeder Azubi sieht, was er beigetragen hat“, betont der Heller-Ausbilder. Besonders wertvoll sei der Wissenstransfer zwischen den Jahrgängen: Ältere Azubis coachen jüngere. „Also eine Form des Peer-Learnings, das Selbstbewusstsein und Verantwortung fördert.“ Auch die Ausbilder fungieren laut Hammley nicht als klassische Lehrer, sondern als Coaches, die Impulse geben und Fragen beantworten. Dadurch entsteht ein produktives Lernklima, das den Übergang ins Berufsleben vorbereitet. „Ich selbst bin das beste Beispiel“, versichert Achim Hammley. „In den 1990ern habe ich als Azubi den Profitrainer gebaut – heute bilde ich mit dem Tokn aus. Das zeigt, das unser pädagogisches Konzept sehr gut aufgeht.“

Das zentrale Merkmal des pädagogischen Konzepts ist die Übertragbarkeit des Gelernten auf industrielle Serienmaschinen. Die Auszubildenden erleben alle wichtigen Fertigungsprozesse im verkleinerten Maßstab – von der Montage der Führungsbahnen bis zur Verdrahtung komplexer Steuerungskomponenten. Dabei bleibt das Grundprinzip identisch: Was am Tokn gelernt wird, kann später eins zu eins auf große Maschinen übertragen werden. Ein Beispiel dafür ist die Elektrotechnik: Während an klassischen Produktionsmaschinen sehr große Schaltschränke montiert werden, geschieht dies beim Tokn im kompakten Format auf etwa einem Quadratmeter. Das fördert das Verständnis von Systematik und Aufbau. Der Umstieg in den realen Maschinenbau erfolgt dadurch mit deutlich niedrigeren Einstiegshürden. „Was man im Kleinen lernt, kann man später im Großen anwenden“, bringt Hammley das Prinzip auf den Punkt.

Einsatz in der Praxis

Obwohl der Tokn nicht für die industrielle Serienfertigung vorgesehen ist – etwa aufgrund fehlender Kühlschmierstoffsysteme – setzen einige Kunden das Gerät dennoch in speziellen Versuchsszenarien ein. Offiziell handelt es sich jedoch um eine Schulungsmaschine, deren Ausstattung primär auf Lehre und Qualifikation ausgelegt wurde. Die Spindel ist bewusst schwächer dimensioniert, um bei Programmierfehlern oder Kollisionen Schäden zu vermeiden. Für den Anwender bedeutet das: Mitarbeiterschulungen und Versuche können an einem realitätsnahen, aber risikoarmen System durchgeführt werden. Die Maschinen in der Produktion bleiben davon unberührt und voll einsatzbereit.

Der offizielle Produkt-Launch des Tokn erfolgte auf der AMB im vergangenen Jahr – mit großem Interesse auf Kundenseite. Sehr positiv aufgenommen wurden das Design, das abgesetzte Bedienpult und die Einsehbarkeit des Arbeitsraums. Nach der Messe gingen zahlreiche Anfragen ein und so werden aktuell die ersten Seriengeräte produziert. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, die Fertigung im Einklang mit der Ausbildungskapazität durchzuführen. Derzeit wird der Tokn am Stammsitz in Nürtingen gefertigt. Doch es gibt Überlegungen, die Produktion auch in andere Ausbildungszentren von Heller zu übertragen – etwa in die USA oder nach China. Durch den modularen Aufbau sind Erweiterungen wie Messtaster, Werkzeugvermessung oder sogar Roboterschnittstellen bereits in Planung oder als Prototyp umgesetzt. Perspektivisch sind sogar Retrofit-Konzepte denkbar, bei denen Anwender ihre Profitrainer mit Komponenten des Tokn nachrüsten – etwa mit der neuen Siemens-Steuerung oder dem Bedienpult.

Fazit

Als Nachfolger des Profitrainers und ganzheitliches Ausbildungssystem vereint der Tokn Entwicklung, Konstruktion, Didaktik und Digitalisierung. Die Maschine bietet moderne Industrietechnik im kompakten Format, ist vollständig in bestehende Ausbildungskonzepte integrierbar und schafft neue Möglichkeiten für Schulung, Forschung und Entwicklung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert