Sammelaufkommen trotzt weiterhin allen Krisen

Bild 5 | Lernzirkelwagen 'Überstromschutzorgane' für Berufsschulen: Praxisnaher Unterricht auf hohem technischem Niveau.
Bild 5 | Lernzirkelwagen 'Überstromschutzorgane' für Berufsschulen: Praxisnaher Unterricht auf hohem technischem Niveau.Bild: Verein des umweltgerechten Recycling

Im abgelaufenen Geschäftsjahr sammelten hunderte von Unterstützern des Vereins im gesamten Bundesgebiet wieder über 200 Tonnen Schmelzsicherungen und leisteten damit einen wirklich nachhaltigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz. Damit hält der NH/HH-Recyclingverein ein weiteres Mal sein hohes Sammelniveau, das sich auch im laufenden Jahr fortsetzt. Fazit ist, dass die Pandemie und bisher auch die Energiekrise auf das reine Sammelaufkommen keine Auswirkungen hatte, wohl aber auf die Logistik und die anschließende Verwertung im Kupferkonverter. Zwar wurden die gefüllten Gitterboxen bei den Sammelstellen und Betrieben nach wie vor innerhalb weniger Tage von einem langjährigen Spediteur zuverlässig und kostenlos abgeholt, allerdings standen sie danach auf Warteposition, bis sie dem Recyclingprozess zugeführt werden konnten. Grund dafür war, wie bei vielen anderen Branchen auch, der eklatante Personalmangel ausgelöst durch Pandemieausfälle, die sich bis in das laufende Jahr gezogen haben. Mittlerweile konnte ein Teil der Sammelmengen aber an die Aurubis abgeführt werden, und die Lage hat sich spürbar entspannt (siehe Bild 1).

Bild: NH/HH-Recyclingverein

Starkes Engagement von Sammlern auf allen Ebenen

Naturgemäß tragen die Netzbetreiber erhebliche Mengen zum Sammelaufkommen des Vereins bei. Auch die sieben Mitgliedsfirmen des NH/HH-Recyclingvereins steuerten zusammen 32,8 Tonnen Schmelzsicherungen zum Ergebnis für 2021 bei. Aber auch die vielen engagierten Handwerksbetriebe, der Mittelstand, die Berufsschulen und in den letzten Jahren auch die vermehrte Zusammenarbeit mit den Innungen der Elektrobranche tragen einen wesentlichen Teil zum Sammelerfolg bei. Ein herausragendes Beispiel ist die Sammelaktion von Berufsschulen in Baden-Württemberg. Die in den Betrieben der Schüler anfallenden abgeschalteten Schmelzsicherungen werden in ihrer jeweiligen Berufsschule gesammelt. Im Unterricht werden am Beispiel von NH-Sicherungseinsätzen die recycelbaren Bestandteile ermittelt und Möglichkeiten für deren Wiederverwertung aufgezeigt. An konkreten Beispielen werden die finanziellen Einsparungen und die Minderung der Umweltbelastung ermittelt. Bei der Realisierung dieser Lernortkooperation wird der NH/HH-Recyclingverein durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft BW, das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport BW und dem Fachverband Elektro- und Informationstechnik des Landes BW unterstützt.

Bild: NH/HH-Recyclingverein

Neue Sammler aus Industrie und Gewerbe gesucht

Für das gemeinsame Ziel, die Nachhaltigkeit und die gemeinnützige Förderung von Forschung und Lehre im Bereich Elektrotechnik Jahr für Jahr zuverlässig zu erreichen, ist jede recycelte Sicherung wichtig. Hier zählen auch kleinste Mengen. Eine der über 600 öffentlichen Sammelstellen im gesamten Bundesgebiet ist für jeden sammelwilligen Betrieb schnell erreichbar. Die Geschäftsstelle des NH/HH-Recyclingvereins gibt darüber Auskunft. Industrie- und Gewerbeparks mit eigener Stromversorgung, Wind- und Solarparks oder auch große Sportstadien haben einen erheblichen Bedarf an Schmelzsicherungen, die alle nach Ablauf ihrer Lebensdauer fachgerecht entsorgt werden müssen. In dieser wichtigen Zielgruppe möchte der Verein vermehrt neue Sammler für seinen gemeinnützigen Zweck gewinnen. Hier können sie mit minimalem und kostenlosem Aufwand einen wirklich nachhaltigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten. Hinzu kommt, dass alle WEEE-Anforderungen für das Recycling vom Verein umfänglich erfüllt werden. Interessierte Betriebe und deren Umweltbeauftragte erhalten eine umfassende Beratung.

Bild 4 | Dipl.-Ing. Volker Seefeld, Vorstandsvorsitzender des NH/HH-Recyclingvereins
Bild 4 | Dipl.-Ing. Volker Seefeld, Vorstandsvorsitzender des NH/HH-Recyclingvereins Bild: NH/HH-Recyclingverein

Stärkung des Industriestandortes durch Ausbildung, Forschung und Lehre

Durch eine direkte und gezielte Förderung von Berufsschulen sowie der Forschung und Lehre an Universitäten und Fachhochschulen im Bereich Elektrotechnik setzt der Verein sein Kernanliegen der Stärkung des Industriestandortes Deutschland um. Zurzeit wird ein Forschungsprojekt der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden unterstützt, das sich mit der ‚Funktion von Schmelzsicherungen bei großen Gleichströmen mit sehr kleinen Stromkreis-Zeitkonstanten‘ beschäftigt; ein wichtiges Thema für die sich verändernden Strukturen in industriellen Versorgungsnetzen und der Infrastruktur im Zusammenspiel mit den Energiespeichern und erneuerbaren Energien. Besonders in Zeiten mit großen Umbrüchen, wie wir sie jetzt erleben, ist die Förderung und Ausbildung von Fachkräften in der Elektrobranche überlebenswichtig. Ohne nach dem neuesten Stand der Technik ausgebildete Elektrotechniker wird eine Beherrschung der gegenwärtigen Krise, geschweige denn der Plan für eine Energiewende, nicht gelingen. Es gilt, mit einem anspruchsvollen und interessanten Lehrmaterial immer mehr junge Menschen für die Elektrotechnik zu interessieren. Zu diesem Zweck bietet der Verein eine Reihe von renommierten, kostenlosen Fachpublikationen an, die für den Unterricht in berufsbildenden Schulen auch in größeren Stückzahlen zu beziehen sind. Soeben ist die 7. Auflage des Sicherungshandbuchs von Dr.-Ing. Herbert Bessei erschienen, die sowohl die weiterentwickelten internationalen Normen als auch Erkenntnisse aus Forschungsvorhaben, die durch den NH/HH-Recyclingverein angeregt und finanziell unterstützt wurden, berücksichtigt. Weitere Publikationen sind u.a. ein umfassendes Nachschlagewerk zur Anwendung von Photovoltaik-Sicherungen von Dipl.-Ing. Peter Funtan und die ‚Formelsammlung Elektrotechnik‘ von Matthias Link.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert